Acrylmalerei verbunden mit Siebdruck und Fotoprint auf Textil –
Die Naht als Grenze und Verbindung


Gudrun Klebeck verbindet mittels Montage differente Bildstrukturen. Sie fertigt einerseits monochrom anmutende Bilder bzw. Bildflächen, die aus Lasuren unterschiedlicher Töne entstehen und andererseits verschiedene Drucke auf Stoff, die mit ersteren kombiniert werden. Schon die jeweilige Technik und damit verbundene Materialität stiftet einen Kontrast. Die eher behutsam aufscheinenden oder auch schwingenden Flächen verhalten sich diametral zu den gedruckten Elementen. Das Primat und die monochrome, aber vielschichtige Anwendung der Farbe evozieren Erscheinungen, die rational nicht zu begreifen sind und so die Betrachter mit einer neuen, unbekannten Seherfahrung konfrontieren. Bei den gedruckten grafischen Elementen hingegen, die in die malerischen Flächen eingefügt werden, entsteht die Abstraktion durch die Vergrößerung und den Charakter des Ausschnitts. Die Grafismen changieren so für die Betrachter auf der Schwelle zwischen einem Wiedererkennen und einem Assoziieren gegenständlicher bzw. naturhafter Formen.
Dementsprechend vermitteln beide Strukturen in ihrer Verbindung auch unterschiedliche Raumvorstellungen. Während die Malerei eine Raumtiefe suggeriert, scheinen die grafischen Strukturen vor der Oberfläche zu liegen. Beide Diskurse entziehen sich allerdings in ihrer Abstraktion einer Bedeutungszuschreibung. Sie werden gewissermaßen durch die Unbestimmtheit der Struktur transformiert und öffnen so zahlreiche Assoziationsfelder für die Betrachtenden. Darin erweist sich die Beziehung von Bild und Betrachter als untrennbar.
Gudrun Klebeck zeigt durch das ausgewogene Spannungsverhältnis ihrer Bildwelten, dass Harmonie nicht von vornherein gegeben ist. Sie ist vielmehr das Ergebnis einer umfassenden individuellen wie künstlerischen Erfahrung und Reflexion.


Erik Schönenberg


The seam as border and connection:
Acrylic painting combined with silkscreen and photo printing on cloth


Gudrun Klebeck’s work ties together different compositions via montage. Her work combines apparently monochromatic pictures or surfaces Рwhich she creates using glazing in various tones Рwith fabrics that she prints using silkscreen or digital images. The pairing of these diverse techniques and materials creates a contrast, with the colored surfaces Рwhether restful or vibrant Рdiametrically opposed to the printed elements. The primary and monochromatic, yet multilayered use of color evokes images that cannot be rationally understood, and which confront the viewer with a fresh and new visual experience. In contrast, by integrating printed graphic elements into the painted surfaces, an abstract image is created that depends on the size and character of the cutout. As a result, for the viewer, these graphisms tread a fine line between recognition and association with objects or natural forms.
Accordingly, each of those connected structures relates a different concept of space. The painted areas suggest depth of field, whereas the graphic elements appear to lie on the surface. Nonetheless, through their abstraction, both of the elements in this discourse avoid having a concrete meaning attached to them. To a certain extent, they are transformed by the indeterminacy of their structure, and they open up numerous areas of association for the viewer, making the relationship between image and viewer inseparable.
Through the balanced tension in her images, Gudrun Klebeck shows us that harmony is not something that can be taken for granted. Rather, it is much more the result of comprehensive individual and artistic experience and reflection.


Erik Schönenberg